· 

USD, Yuan und EURO – wie China den Dollar knacken will

In Europa tobt die Schuldenkrise, doch viel bedeutender ist, was sich im Fernen Osten tut. China will den Yuan zur Weltwährung aufbauen und die Vorherrschaft des Dollars brechen. Peking folgt dabei einem strengen Plan.

 

Die Welt ist abhängig vom US-Dollar - und damit von der Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Doch das muss nicht so bleiben. Der Aufstieg Chinas verändert auch die Kräfteverhältnisse an den internationalen Finanzmärkten. Neben dem Dollar und dem Euro könnte der chinesische Yuan zu einer Weltwährung aufsteigen. Die Frage ist nur: wann?

 

„Es kann zehn oder 20 Jahre dauern. Aber die Internationalisierung wird passieren“, sagte Jiang Shixue von der Chinese Academy of Social Sciences (CASS) auf dem China-Finanzmarktforum in Köln. Der Thinktank ist die höchste Forschungseinrichtung Chinas für diese Fachrichtung, der chinesische Wissenschaftler gilt als enger Berater der Regierung in Peking. In Köln diskutierte Jiang Shixue mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik. Thema der Veranstaltung: „Der Yuan, die neue Weltwährung? Wie China die Finanzwelt verändert.“

 

Die Stärke des Yuan lässt sich am Wechselkurs nur bedingt ablesen. Zwar erreichte Chinas Währungam vergangenen Freitag zum Dollar den höchsten Stand seit Anfang der 1990er-Jahre. Damals hatte China den offiziellen Wechselkurs und den Kurs, der am Markt bezahlt wurde, zusammengelegt. Seitdem wacht Peking streng darüber, dass Chinas Währung nicht zu stark aufwertet. Ein starker Yuan würde der chinesischen Exportwirtschaft schaden.

Seit Jahren werfen die USA den Chinesen vor, ihre Währung künstlich niedrig zu halten, um sich so einen Wettbewerbsvorteil zu erschleichen. Umgekehrt beklagt China, dass Amerika das Privileg der Weltreservewährung schamlos ausnutzt. Durch die Vormachtstellung des Dollars seien die USA in der Lage, die Währung zu manipulieren und gleichzeitig dem Rest der Welt die Zinsen zu diktieren, erklärte Jiang Shixue.

 

Noch dominiert der Dollar die Welt. Der größte Teil des Handels und fast der gesamte Handel mit Rohstoffen wird nach wie vor in der amerikanischen Währung abgerechnet. Zudem parken die meisten Staaten ihre Devisenreserven in US-Staatsanleihen, also in Dollar. Sie können gar nicht anders, denn eine Alternative ist nicht in Sicht. Der Euro konnte in seinen frühen Jahren zwar „Marktanteile“ gewinnen. Aber die Schuldenkrise hat das Vertrauen in Europas Währung schwer erschüttert. Die internationalen Investoren setzen wieder stärker auf den Dollar. Die USA sind und bleiben der größte und liquideste Anleihemarkt der Welt.

China hat die USA in der Hand

Von den internationalen Währungsreserven stecken ungefähr 60 Prozent im Dollar, 27 Prozent im Euro und jeweils vier Prozent im Yen und im Britischen Pfund. „Der Dollar wird noch lange die Weltreservewährung bleiben“, sagt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. „China muss noch einen Riesenschritt machen.“

Die Chinesen selbst haben dafür gesorgt, dass der Dollar die Nummer eins bleibt. Sie haben ihre Exportüberschüsse jahrelang in US-Anleihen gesteckt. Sie besitzen amerikanische Staatsanleihen im Wert von mehr als einer Billion Dollar. Damit ist China weltweit größter Gläubiger der USA, abgesehen von der US-Notenbank.

 

Der Berg an Dollarnoten ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits besitzt China eine kaum zu unterschätzende Machtposition gegenüber den USA. Die größte Volkswirtschaft der Welt lebt auf Pump, und davon, dass andere Nationen ihren Wohlstand finanzieren. Anders ausgedrückt: Die Amerikaner sind davon abhängig, dass sie weiterhin Kredit von China bekommen. Der Ökonom Barry Eichengreen von der Berkeley University hat ausgerechnet, dass die USA dank ihrer Leitwährung ein jährliches Leistungsbilanzdefizit von etwa 500 Milliarden Dollar anhäufen konnten.

 

Andererseits stecken auch die Chinesen in einer verzwickten Lage. Würden sie von heute auf morgen beschließen, keine neuen US-Anleihen mehr zu kaufen oder größere Bestände zu verkaufen, würden sie sich selbst schaden. Der Wert der US-Schuldpapiere würde sinken – und China damit heftige Verluste bescheren. So sieht es jedenfalls das amerikanische Verteidigungsministerium. Das Pentagon hat sich mit der Frage befasst, ob China die USA durch „die aggressive Option eines umfangreichen Verkaufs“ ins Wanken bringen könnte. „China hat wenig attraktive Anlagemöglichkeiten außerhalb der US-Treasuries für die Masse seiner umfangreichen Devisenreserven“, heißt es in dem Bericht des Pentagon.

 

Das wissen auch die Chinesen. Statt die Dinge zu überstürzen, spielen sie auf Zeit. Statt die Dominanz des Dollars mit einem Schlag zu erschüttern, wollen sie Schritt für Schritt ein Gegengewicht schaffen. „Es ist nicht gut, wenn die Finanzmärkte von einer Währung dominiert werden“, sagte Jiang Shixue. „Wir streben ein gerechtes System an, das die Interessen aller, auch die der Schwellenländer, berücksichtigt.“ Übersetzt heißt das: Mit der Vorherrschaft des Dollars soll Schluss sein.

 

Die wirtschaftliche Dynamik spricht für China. Wenn das Land weiter wie bisher wächst, könnte es die USA in 10, 15 Jahren als größte Volkswirtschaft der Welt überholt haben. Umgekehrt leidet die amerikanische Volkswirtschaft unter den Folgen der Finanzkrise. Das Wirtschaftswachstum stagniert auf niedrigem Niveau, Arbeitslosigkeit und Außenhandelsdefizit bleiben hoch. Um die Konjunktur anzukurbeln, druckt die US-Notenbank mehr Geld - und entwertet damit den Dollar.

Was wird aus dem Euro?

 

Bislang spielt der Yuan als Reservewährung noch keine Rolle. Solange er nicht frei handelbar ist, wird sich daran auch nichts ändern. Doch daran arbeitet China. Neben Hongkong stattet die Regierung weitere Handelsplätze mit Sonderrechten aus. Seit Anfang des Jahres zählt London zu den Umschlagplätzen für den sogenannten Offshore-Yuan, der Anleihehandel und Investitionen in Yuan ermöglicht.

 

Als Handelswährung ist der Yuan bereits etabliert. Mit den drei anderen großen Schwellenländern - Brasilien, Indien und Russland - hat China 2010 vereinbart, den Handel untereinander in nationalen Währungen abzuwickeln. Seit Ende 2011 gibt es ein ähnliches Abkommen mit Japan. Die beiden asiatischen Volkswirtschaften wollen künftig nicht mehr über Dollar miteinander handeln, sondern ohne Umweg in Yuan und Yen. Auch deutsche Unternehmen können inzwischen ihre Rechnungen in Yuan begleichen.

 

Die Großbank HSBC schätzt, dass China in drei Jahren etwa die Hälfte seines Handels in der eigenen Währung abwickeln wird. Das wiederum wird seine Spuren an den Devisenmärkten hinterlassen. Eine alte Regel lautet: Geld folgt dem Handel. In dem Maße, in dem sich China von einer Exportnation zum Importeur entwickele, sei auch der Anreiz für andere Zentralbanken größer, ihre Währungen auf China auszurichten und verstärkt Yuan-Reserven zu halten, heißt es in einer Studie von Deutsche Bank Research. „Wir gehen fest davon aus, dass Chinas Währung die Nummer zwei in der Welt wird“, erklärt Eddy Henning, Leiter des Bereichs Firmenkunden der Deutschen Bank in China.

Sicher ist: Das Weltwährungssystem muss sich verändern, eine einzige unangefochtene Weltwährung wird es vermutlich nicht mehr geben. „Das Welthandelsvolumen hat sich in den letzten zwanzig Jahren verdreifacht, die internationalen Finanzströme sind um das Fünffache angewachsen. Dabei spielen die aufstrebenden Märkte eine wichtige Rolle. Das Weltwährungssystem hat jedoch nicht Schritt gehalten - was einige für einen Mitauslöser der Finanzkrise halten. Daraus ergibt sich Veränderungs- und Anpassungsdruck“, sagte Alexander Börsch, Leiter Research Deutschland bei Deloitte.

 

Die Unternehmensberatung hat eine groß angelegte Studie zur Welt der Währungen im Jahr 2030 veröffentlicht. Danach sind drei verschiedene Szenarien denkbar. Variante eins: Europa und die USA fokussieren sich auf ihre Binnenwirtschaft, das weltweite Wachstum stagniert, die Kapitalflüsse versiegen. China muss sein Exportmodell revidieren. Ein multipolares Weltwährungssystem verliert an Bedeutung. Variante zwei: US-Dollar und Yuan sind die neuen Leitwährungen, da die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder das Weltwährungssystem dominieren, während die Euro-Zone langsam zerfällt und sich marginalisiert. Der US-Dollar bleibt wichtigste Währung beim Rohstoffhandel, der Yuan bei den innerasiatischen Handelsströmen. Variante drei: Der Yuan wird Leitwährung für die BRIC-Länder, der Euro erholt sich, bleibt international aber nur die zweitwichtigste Währung, während der US-Dollar kaum noch eine Rolle spielt.

 

Welches Szenario am wahrscheinlichsten ist, bleibt Spekulation. Wenn man Jiang Shixue glauben darf, dann wünschen sich die Chinesen am ehesten eine multipolare Welt: „Wenn Yuan und Euro künftig eine stärkere Rolle spielen würden, wäre die Welt nicht mehr allein von den Interessen der USA abhängig. Das wäre gut für China und für Europa“, sagte der Professor in Köln.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0