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Byton könnte nicht der neue Tesla werden, sondern der neue Mercedes – Preis ab € 38.000

Zutritt nur mit Gesichtserkennung: Mit Hilfe ehemaliger BMW-Entwickler stellt Newcomer Byton ein Elektro-SUV auf die Räder, bei dem drinnen wichtiger ist als draußen. Und selbst dort sieht der Wagen nicht mal schlecht aus. FOCUS Online macht den ersten Check.

Wer hoch fliegt, kann tief fallen. Das gilt gerade für die Elektroauto-Branche. Mindset, Coda Automotive, Faraday Future - die Liste der gescheiterten oder zumindest in schwieriges Fahrwasser geratetenen Elektro-Startups ist länger als die der Erfolgsgeschichten. Selbst der Leuchtturm Tesla muss 2018 ganz schön kämpfen,damit das Licht hell genug bleibt. Und wer Wunder-Akkus ankündigt wie unlängst Henrik Fisker,muss sich schon bald an seinen Aussagen messen lassen. Als Faustregel mag gelten: Wenn jemand 1000 Kilometer Reichweite oder Gigawatt-Motoren ankündigen muss, um Kapital einzusammeln, sollte man vorsichtig sein. Wer dagegen eine Reichweite von 400 bis 500 Kilometern in Aussicht stellt, und das mit leistungsfähigen, aber bekannten Lithium-Ionen-Akkus - dem darf man unterstellen, dass er nicht laut brüllen muss, um wahrgenommen zu werden.

Byton-SUV soll bis zu 500 Kilometer weit kommen!

So ist denn die Antriebstechnik des Byton SUV, das auf der CES in Las Vegas erstmals zu sehen ist und gleichzeitig das Erstlingswerk der Future Mobility Corporation, weder utopisch noch einzigartig:

  • Das 4,8 Meter lange SUV (das Format eines BMW X5) hat entweder Elektromotoren an der Hinterachse (200 kW-Version mit 400 Newtonmetern Drehmoment) oder an beiden Achsen (350 kW und 710 Newtonmeter, Allradantrieb). In etwa so wie Teslas Model X.

 

Zutritt nur mit Gesichtserkennung


  • Die Lithium-Ionen-Akkus sind im Unterboden verbaut und sollen eine Reichweite von 400 bis maximal 520 Kilometern ermöglichen.
  • ·Auch die Karosserie des Elektro-SUV ist bei aller Eleganz fast etwas zurückhaltend. Da hat man im Serieneinsatz etwa bei Lexus schon dramatischere Formen gesehen.

 

Offenbar kommt es der mit chinesischen Investitionen gerüsteten Future Mobility Corporation nicht darauf an, den größten, schnellsten oder stärksten Stromer zu haben. Der Antrieb wird fast zur Nebensache, nach dem Motto: Ein SUV, das im Jahr 2020 auf den Markt kommt - wie soll das denn anders angetrieben werden als elektrisch?

Auf Reisen: Kein langes Aufladen – Batteriewechsel in 3 Minuten!

Wohlfühl-Lounge mit Gesichtskontrolle

So wird der Byton auf seinen üppigen 22-Zoll-Felgen zwar ähnlich schick und leistungsstark sein wie andere Elektro-SUV, doch es ist vor allem der Innenraum, der sich absetzt. Byton steht schließlich für "Bytes on Wheels" - das passt. 


Man passiert die grifflosen Türen erst nach einer biometrischen Abtastung. Ohne Gesichtskontrolle kein Einlass. Das mag man etwas unheimlich finden, wie in einem dystopischen Science Fiction-Film. Aber in wenigen Jahren dürfte diese Art des Schlüssel-Ersatzes schnell normal werden.

Im Cockpit wird dann klar, wohin die Reise geht: Ins digitale Wunderland. Google, Facebookoder Amazon brauchen gar kein eigenes Auto zu bauen, denn sie sind eh schon an Bord.  Der 125 Zentimeter (!) lange und 25 Zentimeter hohe Monitor - hier können die Chinesen dann doch noch Tesla zeigen, wer den Größten hat - nimmt fast das gesamte Armaturenbrett ein. Aber: Armaturenbrett? Nennen wir es mal so; 


schließlich gibt es im Byton ebensowenig Armaturen oder Bretter wie eine Spritzwand davor. Der Byton ist Automobilkonstruktion 2.0, ähnlich wie Tesla oder Nio, vielleicht schon 2.5. Viele Elemente hat man so oder ähnlich schon oft in Studien gesehen; Byton will sie spätestens 2020 alle zu einem Serienfahrzeug zusammenfassen.Anzahl der Knöpfe: Nahezu null. Das gigantische Display zeigt in bis zu drei Fenster alle Informationen an. Inklusive der 


Kamerabilder, die die Umgebung des Autos aufnehmen. Klassische Außenspiegel braucht es künftig nicht mehr.

Auch die Bedienung des Byton will sich noch stärker als Tesla von gewöhnlichen Autos absetzen:

  • Alle Funktionen - abgesehen vom Fahren - werden entweder per Gestensteuerung, per Spracheingabe (inklusive Amazons Alexa) oder mit dem eigenen Smartphone kontrolliert.  Allerdings verlässt sich Byton komplett auf Android-Systeme - womöglich eine riskante Strategie.
  • So können auch die Fond-Passagiere mit ihren Smartphones eingreifen. Die Sitze sind übrigens drehbar - im automatisierten Fahrmodus müssen also nicht alle nach vorn schauen.
  • Das einzige, was irgendwie noch an ein Auto erinnert, sind das Lenkrad und die darauf befindlichen Drucktasten für die Fahrstufen (P, N und D) sowie der Lautstärkeregler fürs Infotainmentsystem. Selbst diese Tasten umschließen einen iPad-ähnlichen Bildschirm. Der Airbag übrigens entfaltete sich im Crash-Fall durch eine Sollbruchstelle im Kunststoff unterhalb des Lenkrad-Monitors.

SUV soll 45.000 US-Dollar kosten

Die ersten Märkte, auf denen man den Byton kaufen kann, werden ohnehin die USA und China sein. Preis: 45.000 US-Dollar, umgerechnet rund 38.000 Euro. "Ende 2020 wird der Wagen Level vier beherrschen, so dass das System dauerhaft die Fahraufgabe übernehmen kann. Das wird vielleicht nicht überall auf der Welt funktionieren, aber in mindestens einer Region im Silicon Valley und in ein bis zwei Großstädten in China, mit denen wir im Moment noch verhandeln", sagt Byton-CEO Carsten Breitfeld.

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