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China: Wohin mit Oma?

Für Chinas Bauern gibt es weder Altersheim noch üppige Rente. Symbolische sechs Euro erhalten Bauer Li und seine Frau monatlich vom Staat. Sie leben von ihrem kleinen Stück Land, etwa 100 Kilometer südlich von Peking. Sie haben kein fließend Wasser und nur einen kleinen Ofen trotz Minusgraden. Die Li’s sehen älter aus als sie sind. Sie sind erst Anfang 60. Sie ist herzkrank und ihm droht der Schlagfall. Die Operationen sind für das Paar unbezahlbar. "Was passiert, wenn ich mal umfalle. Mein Mann ist krank, unser Sohn ist weg. Vier Jahre haben wir nichts mehr von ihm gehört. Nur sein Kind, das hat er uns da gelassen", erzählt Cao Guirong. Der kleine Zijian ist erst sechs Jahre alt und geht in die Vorschule. Um ihn müssen sich die Großeltern nun auch noch kümmern.

Private Alten- und Pflegeheim: Schwester ersetzt Kinder 

Ortswechsel: Ein Altersheim in Peking. Die Bewohner trällern Revolutionsweisen. Oberschwester Yuan Jie organisiert den Tagesablauf für die rund 300 zahlenden Gäste in diesem privaten Alten- und Pflegeheim. Viele sind dement, ein großer Teil Pflegefälle, Aber die, die sich noch teilhaben können, wollen


Programm und Unterhaltung. Die Schwestern ersetzen dann die Kinder. Denn eigentlich sollten es die Kinder sein, die sich - gemäß chinesischer Tradition - zu Hause um die Eltern kümmern. "Niemand hört ihnen mehr zu, wenn sie ihre Geschichten erzählen. Also bin ich die geduldige Zuhörerin. Manchmal sind es ganz persönliche Dinge - Dinge, die sie vielleicht noch nie erzählt haben, nicht einmal ihren Kindern", sagt Schwester Yuan Jie

Vor den Toren Pekings entsteht ein gigantisches Projekt für altersgerechtes Wohnen - Taiyang Cheng, die Sonnenstadt. 

220 Euro im Monat für ein Bett im Achtbettzimmer

220 Euro im Monat kostet hier das günstigste Bett in einem Achtbettzimmer. Das ist immer noch eine stattliche Summe, denn die Durchschnittsrente der Städter liegt nur bei etwa 180 Euro. Dass Kinder ihre Eltern ins Altenheim geben, gilt in China noch immer als verwerflich. Aber viele sind beruflich so eingespannt, dass sie professionelle Hilfe für die Betreuung ihrer Eltern brauchen.


So ist es auch bei Oma Zou: Sie ist 86, spricht englisch und hat studiert. Dank einer guten Pension wohnt sie in einem Einzelzimmer. Ihr Sohn besucht sie einmal in der Woche - anfangs mit schlechtem Gewissen: "Ich hatte Angst, meine Kollegen lästern über mich, weil ich meine Mutter ins Heim schicke. Die meisten, denken immer noch, dass Pflege zu Hause viel besser ist. Aber sie ist glücklich hier, es gibt Unterhaltung und Menschen zum Reden", erzählt der 49 Jahre alte Manager Jiang Wangli.

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