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Wird sich das Auto-Abo durchsetzen?

In Zukunft soll nicht mehr das eine eigene Auto die Begierde wecken, sondern eine Auto-Flatrate. Die beinhaltet nicht nur alle Services, sie bietet auch unterschiedliche Fahrzeuge, die der Kunde wechseln kann wie sein Hemd. Billig wird das aber nicht.

Bedeutete das eigene Auto über Jahrzehnte für viele Menschen Freiheit und Unabhängigkeit, ist der Besitz für aktuelle Führerschein-Neulinge in der Stadt eher uninteressant. Für die von Forschern "Generation Z" genannten, heute 18- bis 25-Jährigen steht die Nutzung im Vordergrund, wie eine aktuelle Untersuchung ebenso nahelegt wie neue Mobilitätskonzepte der Autohersteller.

"Fahrzeuge werden bis 2025 mehr und mehr als Teil von neuen Services genutzt", so Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management der FH Bergisch-Gladbach. Zum Ende dieses Jahrzehnts werde der Siegeszug dieser Dienstleistungen erstmals deutlich an Fahrt aufnehmen. Als Hauptklientel sieht der Wissenschaftler die heute 18- bis 25-Jährigen. Laut seiner aktuellen Analyse im Auftrag des Kreditversicherers BNP Paribas Cardif liegt die Nutzungsbereitschaft für Angebote wie "Freefloating Carsharing" (Car2Go, Drive-now) in dieser Altersgruppe bei fast 50 Prozent. Ferner würde fast die Hälfte der jüngeren Stadtbewohner auf einen privaten Pkw zugunsten neuer Mobilitätservices verzichten.

 

Volvo bietet Service bereits an

Den Trend vom Kauf zur Nutzung greifen Autohersteller neuerdings auf: So hat Mercedes Anfang März eine neue Möglichkeit der Langzeitmiete angekündigt. Bei dem "Flexperience" genannten Pilotprojekt können Kunden künftig zu einer monatlich fixen Mietrate ein Jahr lang bis zu zwölf neue Mercedes-Fahrzeuge fahren. Wie hoch die Rate ist, die Versicherung, Wartung und Reparaturen bis hin zu Reifen inklusive 36.000 Kilometern pro Jahr umfasst, verrät Mercedes noch nicht. Nur so viel, dass das komplette Handling über die Mercedes-me-App läuft.

Ein solches Auto-Abo hat der schwedische Hersteller Volvo mit "Care by Volvo" seit Neustem im Programm. Interessenten können momentan zwei Fahrzeuge anmieten: entweder den XC40 für 699 Euro monatlich oder den V60 für 849 Euro pro Monat. Da die Mietdauer mindestens zwei Jahre beträgt, summiert sich die Ausgabe für das kleine SUV auf 16.776 Euro; beim Kombi sind es gar 20.376 Euro. Enthalten sind in diesem Preis Versicherung und Steuern sowie Wartung und Reparaturen, wobei der Wagen für Letztgenanntes von der Werkstatt abgeholt wird. Der Vertrag lässt sich online abschließen, bis auf das Tanken braucht sich der Kunde also um nichts selbst zu kümmern.

 

Teures Konzept von Cadillac

Sportwagenhersteller Porsche hat einen ähnlichen Dienst kürzlich an seinem US-Standort Atlanta eingeführt. Auch die US-amerikanische Nobelmarke Cadillac bietet jetzt in München ein Auto-Abo unter dem Namen "Book by Cadillac" an. In den USA wird dieser Service inzwischen von 7000 Menschen in New York, Los Angeles und Dallas genutzt. Allerdings mussten die sich auch für 500 US-Dollar in das System einkaufen und monatlich weitere 1800 US-Dollar berappen. Das sind im Jahr 21.600 US-Dollar, etwa 17.500 Euro. Zudem gibt es bei Cadillac eine Kilometerbegrenzung auf 2000 Meilen, also 3218 Kilometer im Monat.

In München funktioniert das System nach dem gleichen Muster wie in den USA. Teilnehmer haben nach Zahlung einer Monatspauschale jederzeit Zugang zu neun Fahrzeugen aus der Cadillac-Palette einschließlich Sportwagen wie dem Chevrolet Camaro und der Corvette. Das gewählte Auto kann jederzeit nach Lust und Laune gewechselt werden. Für den Kunden fallen laut Chevrolet nur die Tankkosten und die Abo-Gebühren an. Gebucht wird das Auto wie in Zukunft bei Mercedes über eine App. Anschließend werden sie von einem Concierge-Service zum Kunden gebracht und dort auch wieder abgeholt.

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