China: Wer denkt dabei an Weinanbau?

Das Reich der Mitte ist nicht nur für Reis und Nudeln bekannt, sondern hat sich inzwischen zu einem aufstrebenden Weinland entwickelt. Neben dem beliebten Reiswein finden die Chinesen mehr und mehr Interesse an eigenen und internationalen Weinen. In den letzten fünf Jahren ist China zum fünft wichtigsten Weinimportmarkt und zum fünftgrößten Weinkonsummarkt der Welt geworden. Aber die Chinesen trinken nicht nur mehr Wein, sondern bauen ihn auch verstärkt an. Nach jüngsten Zahlen der Internationalen Organisation für Wein und Rebe, wurden 2014 in China auf fast 800.000 Hektar Wein angebaut. Damit überholt das Reich der Mitte sogar das Weinland Frankreich, das flächenmäßig mit 792.000 Hektar lediglich auf Platz drei fiel.

Der Monsun prägt das Klima Chinas. Im Winter bestimmen kalte und trockene Winde das Wettergeschehen. Sie haben ihren Ursprung im sibirischen Kältehoch und bewirken in den Regionen nördlich des Jangtsekiang niedrige Temperaturen, in den anderen Landesteilen Trockenheit. Im Sommer strömt warme und feuchte Luft vom Meer (Pazifik) heran, die zu heftigen Regenfällen in Form von tropischen Zyklonen (Tiefdruckwirbeln) führen kann.

Der erste Wein der Welt wurde offenbar doch nicht in Persien, sondern in China gekeltert. Darauf deuten jedenfalls neueste Funde hin.

Wissenschaftler entdeckten in 9000 Jahre alten Tongefässen der chinesichen Provinz Henan Reste eines vergorenen Getränks, das nicht nur Reis und Honig, sondern auch Trauben-Rückstände enthielt.

2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, doch scheint der Wein in China zunächst nur zu religiösen Opfern in der Shang-Zeit gedient zu haben. Schriftliche Dokumente über Weinherstellung stammen aus der Tang-Dynastie im 7. Jahrhundert n.Chr. und betreffen die aus Russland eingeführten Sorten Schlange, Stutenzitze und Drachenperle. Auch Marco Polo (1254-1324) erzählt in seinen Reiseberichten von ausgezeichnetem Wein in der Region Taiyuan. Später, im 14. Jahrhundert, wurde seine Gewinnung und Benutzung verboten, und die meisten Weingärten mussten auf Befehl des Kaisers ausgerodet werden. An ihrer Stelle wurde Getreide angebaut.  

Im Jahr 1892 wurde durch Zhang Bishi in Yantai, Provinz Shandong, die erste Kellerei Zhangyu (übersetzt: Wohlstand) gegründet. Bishi stammte aus der Region Meixian in der Provinz Quandong. Im Alter von 16 Jahren wanderte er nach Malysia aus und kam dort zu sehr grossem Reichtum. Er erfuhr, dass die Region Yantai sich für Weinbau bestens eignete, kaufte vorerst 70 Hektaren Ackerland, beschaffte aus Europa und verschiedenen Orten in China an die 120 unterschiedliche Rebsorten und startete die ersten Schritte zu einem erfolgreichen Wein-Unternehmen, das heute noch existiert. Weil in China das entsprechende Know-how fehlte, engagierte er einen anerkannten Weinfachmann aus Österreich, den Baron Max von Babo. Zhang Bishi wendete grosse Summen auf, um eine ähnliche Qualität in seiner Produktion zu erreichen, wie in Europa. Er kaufte dort sogar Eichenweinfässer und andere Geräte ein.

Der Erfolg stellte sich ein und die Zhangyu-Weine wurden sogar international mit einer Auszeichnung geehrt (Panama Pacific Exposition, San Francisco 1915). Nach dem zweiten

Weltkrieg brach die Produktion ein, eine Schliessung drohte und es arbeiteten nur noch 5 Mitarbeiter in den Weinbergen bei Yantai. Heute beschäftigt das Unternehmen wieder an die 4'000 Mitarbeiter und exportiert seine Produkte in über 30 Länder weltweit. 

Wein wird in China bislang nur selten getrunken und passt wenig zum einheimischen Essen. Meist trinken die Chinesen Wein aus Getreide, Reis oder Früchten. Es wird dabei nicht nach dem Alkoholgehalt unterschieden. Für alle alkoholischen Getränke wird gemeinsam ein chinesischer Ausdruck verwendet. Das führende chinesische Nationalgetränk ist der Reiswein der Marke Nu-Er-Hong (übersetzt: Mädchen rot). Reiswein wurde zuerst in China hergestellt und fand erst später den Weg nach Japan (Sake). 

Die bescheidene Anzahl einheimischer Rebsorten – alle ausserhalb der Vinifera-Familie – werden vor allem für Tafeltrauben oder zur Rosinenherstellung und nicht für die Weinherstellung herangezogen. Die häufigste einheimische rote Rebsorte ist die aus einer Kreuzung mit importierten Sorten entstandene „Longyan“ (Drachenauge). Bekannt ist auch Heijixiu (Schwarzes Hühnerherz).

Wein macht in diesem Markt nur ein Prozent aus. Der jährliche Pro-Kopf-Konsum liegt bei etwas weniger als einem halben Liter (im Gegensatz zum Weltdurchschnitt von 7,5 und dem westeuropäischen Schnitt von 24 Litern - kaum auszudenken, was passierte, wenn sich die 1,3 Milliarden Chinesen diesem Limit annäherten. 

Experten sagen allerdings in ganz Asien ein Wachstum von jährlich über 16 % im Weinverbrauch bis ins Jahr 2006 voraus. Insbesondere der Rotweinmarkt könnte in China interessant werden. Wein ist ein beliebter Geschenkartikel für wichtige Festivitäten.

Die drei grössten Weinhersteller des Landes sind der Marktführer Zhangyu in Yantai, Beijing’s Great Wall und Tianjin’s Dynasty, die neu an die Börse von Hong-Kong gehen will. Gemeinsam kontrollieren sie über 50 % des Marktes. Andere Produzenten sind Beijing Red Star, Weilong, Chizhiwang, Xixia King, Baiyanghe, Suntime und Yeli. 

China ist heute in die nachfolgenden Weinbaugebiete gegliedert: North Eastern Plateau, die Bohai Bay im Osten der Hauptstadt Peking, Shacheng District, Ancient Yellow River Area, Northwestern Area und im Süden Shandong/Shanghai/Hubei. Rund 70% der 260'000 Hektar Rebfläche sind mit roten Rebsorten bepflanzt.

 

Die wichtigsten Rebsorten für die Weinherstellung sind: Weisswein – Chardonnay, Chenin Blanc, Gewürztraminer, Riesling, Müller-Thurgau und Rotwein – Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Carignan, Malbec und Gamay.